ii. Wo kann man nach Startkapital suchen?

Es gibt zahlreiche tragfähige Wege für Unternehmerinnen und Unternehmer, die Kapital benötigen, um ihr Unternehmen zu vergrößern. Diese Wege schließen sich nicht immer gegenseitig aus, doch jeder von ihnen hat eigene Vor- und Nachteile, die sorgfältig abgewogen werden sollten, bevor man sich für eine Investitionsstrategie entscheidet. Dieser Artikel enthält grundlegende Informationen, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, welcher Weg bzw. welche Kombination von Wegen am besten zu Ihnen passt.

  1. Crowdfunding

  2. Inkubatoren

  3.  Angel-Investoren

  4. Risikokapitalfonds

1.    Crowdfunding:

„Bringt uns eure unterfinanzierten Start-ups, eure innovativen Unternehmer, die nach Zugang zu Kapital streben … lasst sie Crowdfunding betreiben, damit wir alle durch die goldene Tür gehen können.“ 


- Ruth E. Hedges auf http://www.globalcrowdfundingday.com/

Was ist das?

Crowdfunding bedeutet im Wesentlichen, eine große Anzahl von Menschen davon zu überzeugen, kleine Geldbeträge beizusteuern, um Ihr Unternehmen zu finanzieren. Wenn mehrere Tausend Menschen jeweils 10 £ oder einige Hundert jeweils 100 £ beitragen, kann so ein stattliches Kapital aufgebracht werden – ohne jemanden zu überfordern.

Diese Form der Kapitalbeschaffung hat durch die „demokratische“ Struktur sozialer Medien stark an Bedeutung gewonnen. Heute kann und will jeder Internetnutzer öffentlich seine Meinung zu Themen äußern, die ihn interessieren. Crowdfunding ist die soziale Medienvariante der Kapitalbeschaffung.

Weltweit gibt es mehr als 600 Crowdfunding-Plattformen, und im Jahr 2013 wurde die Branche auf rund 5,1 Milliarden US‑Dollar geschätzt. 

Im Januar 2018 startete das Angel Investment Network seine lang erwartete Crowdfunding-Plattform SeedTribe. Diese ermöglicht es, bereits ab 1.000 £ online zu investieren – sämtliche rechtlichen Formalitäten werden übernommen. Die gelisteten Unternehmen werden vom Management-Team geprüft und verfügen in der Regel bereits über einen leitenden Angel‑Investor. 

Wie funktioniert es?

Derzeit gibt es zwei Hauptarten von Crowdfunding: Reward‑basiertes Crowdfunding und Eigenkapital‑basiertes Crowdfunding.

  1. Reward‑basiertes Crowdfunding ist die am weitesten verbreitete Form. Beispiele sind Plattformen wie Kickstarter und Indiegogo. Beiträge werden im Austausch gegen besondere Belohnungen geleistet, die vom Unternehmen angeboten werden – etwa ein kostenloses Produkt oder die Teilnahme am Designprozess. Diese Methode wurde bereits erfolgreich zur Finanzierung verschiedenster Projekte eingesetzt, von Filmvermarktung über Softwareentwicklung bis hin zu sozialen Unternehmen und Modemarken.

  2. Eigenkapital‑basiertes Crowdfunding ist eine neuere Variante. Hier werden Unternehmensanteile im Gegenzug für Kapital angeboten. Es existieren zwei Modelle: Bei einem (z. B. Crowdcube) wird direkt mit dem Unternehmen investiert, beim anderen hält die Plattform die Anteile treuhänderisch. In beiden Fällen tragen Investoren jedoch dasselbe Risiko.

 Vorteile:

  • Effektiver Weg, Kapital zu beschaffen, ohne die Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren

  • Bietet eine zusätzliche Finanzierungsquelle, wenn traditionelle Wege nicht greifen

  • Soziale und Markvalidierung – Möglichkeit, öffentliche Resonanz auf Produkt oder Dienstleistung zu testen, während Kapital eingeworben wird

  • Direkte Interaktion mit der Zielgruppe und wertvolles Feedback, das zur Weiterentwicklung oder strategischen Neuausrichtung beitragen kann

  • Schafft eine selbst ausgewählte Gruppe für Vorabtests und Beta‑Versionen

Nachteile:

  • Ohne eine überzeugende Geschichte kann es schwierig sein, das öffentliche Interesse zu wecken

  • Fehlende Unterstützung und Expertise im Vergleich zu anderen Finanzierungswegen

  • Bei Plattformen wie Kickstarter wird das Kapital erst nach Ablauf der Frist eingezogen; bei Nichterreichen des Ziels könnte wertvolle Zeit verloren gehen

  • Fehleinschätzungen beim Kapitalbedarf können rechtliche Risiken nach sich ziehen, wenn zugesagte Belohnungen nicht geliefert werden

  • Kein Zugang zu Mentoring wie bei Angel‑Investoren oder Inkubator‑Programmen

Tipps:

  • Starten Sie mit einem kleinen Netzwerk aus Familie und Freunden, um den Anfangsimpuls zu geben. Crowdfunding basiert auf Dynamik – erste Unterstützer ziehen weitere nach sich.

  • Nutzen Sie Crowdfunding als Ergänzung zu anderen Finanzierungsquellen (z. B. Angel‑Investoren), um bereits bei Kampagnenstart eine hohe prozentuale Zielerreichung zu zeigen.

  • Bei Reward‑basiertem Crowdfunding sollten die Belohnungen attraktiv und gut abgestuft sein.

  • Erstellen Sie einen professionellen Businessplan mit klarer Darstellung des Kapitalbedarfs und dessen Verwendung.

  • Zeigen Sie, dass Sie selbst an Ihr Projekt glauben, indem Sie eigenes Kapital investieren.

  • Erstellen Sie ein ansprechendes, kurzes Video‑Anzeige mit klarer Handlungsaufforderung.

  • Planen Sie ausreichend Zeit für Online‑Aktivität und Präsenz in sozialen Netzwerken während der gesamten Kampagne ein.

  • Eine Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung finden Sie auf unserer Partnerseite SeedTribe.


2.    Inkubatoren/Acceleratoren

 

„Business‑Inkubatoren sind Organisationen, die darauf ausgelegt sind, das Wachstum und den Erfolg von Start‑ups und jungen Unternehmen zu beschleunigen. Sie bieten häufig eine gute Verbindung zu Kapitalquellen wie Angel‑Investoren, staatlichen Förderprogrammen und weiteren Investoren.“

Entrepreneur Magazine

 

Was sind sie?

Business‑Inkubatoren sind Organisationen, die jungen Start‑ups Büroräume, Mentoring und Netzwerkmöglichkeiten bieten, um Wachstum und Erfolgschancen zu erhöhen. Mehrere Start‑ups teilen sich oft die Räumlichkeiten, was den Austausch von Ideen und eine inspirierende Arbeitsatmosphäre fördert.

Sie sind häufig ein direkter Zugang zu Kapital von Angel‑Investoren, staatlichen Institutionen, Wirtschaftsförderungsorganisationen oder den Programmen selbst.

 

Wie funktionieren sie?

Inkubatoren und Acceleratoren arbeiten mit unterschiedlichen Modellen, die vor einer Bewerbung sorgfältig geprüft werden sollten. Eine umfassende Liste globaler Accelerator‑Programme finden Sie hier: http://www.seed-db.com/accelerators

 

Funktionieren sie?

Es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten über Start‑ups aus Inkubatoren, jedoch keine einheitliche wissenschaftliche Bewertung ihrer Wirksamkeit. Laut der National Business Incubation Association (NBIA) in den USA liegt die Überlebensrate inkubierter Unternehmen nach 2–5 Jahren bei 87 %, doppelt so hoch wie bei nicht‑inkubierten Unternehmen.

Eine Studie der Syracuse University kommt hingegen zu dem Schluss, dass es keine substanziellen Belege für langfristige Vorteile gibt – Inkubation könne sogar schädlich sein.

Eine eindeutige Bewertung ist schwierig, da bereits die Auswahl der Teilnehmer Verzerrungen erzeugt: Bewerber, die aufgenommen werden, sind meist schon überdurchschnittlich erfolgreich. Dennoch kann die Aufnahme in ein Programm ein gutes Signal für die Erfolgsaussichten sein.

Vorteile:

  • Breiter Zugang zu unterschiedlichen Finanzierungsquellen

  • Professionelles Mentoring und Beratung inklusive

  • Erweiterung des eigenen Netzwerks

  • Administrative Infrastruktur (Büro, Empfang, Kommunikation etc.) wird gestellt

  • Mentoren haben ein Eigeninteresse an Ihrem Erfolg, wenn der Inkubator selbst beteiligt ist

Nachteile: 

  • Ständige Betreuung und Networking können den Fokus in der frühen Phase beeinträchtigen

  • Einige Empfehlungen könnten eher im Interesse des Programms als in Ihrem eigenen liegen

  • Teilnahme kann teuer sein

  • Alle Vorteile können zugleich Ablenkungspotenzial bergen


3.    Angel‑Investment‑Finanzierung

„Angel‑Investoren waren und sind sehr wichtig für uns – heute ist es kaum vorstellbar, dass Technologie‑Start‑ups ohne Angel‑Investitionen entstehen könnten.“

Kevin Arthur, Gründer & CEO von Oxford Photovoltaics

 

Was ist das?

Angel‑Investoren sind vermögende Privatpersonen, die Kapital in junge Start‑ups investieren. Sie sind oft erfolgreiche Fachleute oder Unternehmer, die ihr Wissen und Kapital einsetzen, um die nächste Gründergeneration zu unterstützen. Sie verfügen über erhebliche Mittel und suchen aktiv nach erfolgversprechenden Beteiligungen.

 

Wie funktioniert es?

Über das eigene Netzwerk oder spezialisierte Plattformen kann der Kontakt zu Angel‑Investoren hergestellt werden. Nach erfolgreicher Anzeige und Verhandlung erfolgt die Kapitalzusage – meist im Austausch gegen Unternehmensanteile. Viele Angels bringen neben Kapital auch Know‑how und Kontakte ein, um den Unternehmenswert zu steigern.

Vorteile:

  • Angels bieten Kapital und Expertise zugleich

  • Sie sind stark motiviert, den Erfolg mitzugestalten

  • Zugang zu wertvollen Netzwerken

  • Schnelle Entscheidungswege

  • Keine Rückzahlungen oder Zinsen, die Start‑ups belasten könnten

  • In Großbritannien fördern EIS‑ und SEIS‑Programme Angel‑Investitionen durch steuerliche Vorteile

  • Angels können in Syndikaten investieren, um größere Beträge zu ermöglichen

  • Ein regulatorischer Rahmen (FCA) schützt beide Seiten

Nachteile:

  • Abgabe von Unternehmensanteilen erforderlich – was jedoch auch Anreize schaffen kann

  • Große Beteiligungen können Kontrollverlust bedeuten, z. B. Austausch der Gründer

  • Investoren fokussieren auf Rendite und Exit, was zeitlich von Ihrer Vision abweichen kann

Tipps:

Nicht jeder verfügt über direkte Kontakte zu Angel‑Investoren; spezialisierte Plattformen wie unsere bieten eine effiziente Möglichkeit, Ihr Netzwerk zu erweitern und Investoren zu gewinnen.


4.    Risikokapital‑Finanzierung

 

Was ist das?

Risikokapitalfonds investieren ähnlich wie Angel‑Investoren, jedoch über Fondsstrukturen, was größere Investitionsvolumina ermöglicht.

 

Wie funktioniert es?

Wie bei Angel‑Investitionen erfolgt die Kapitalgabe im Austausch gegen Unternehmensanteile. VC‑Fonds investieren typischerweise nach der Seed‑Phase, wenn Unternehmen bereits Marktreife und höhere Bewertungen erreicht haben.

 

Vorteile:

  • Möglichkeit großer Kapitalzusagen

  • Kleinere Investoren folgen häufig den Investments von VC‑Fonds

  • Zugang zu strategischer Beratung und Managementunterstützung

  • VC‑Gesellschaften bieten oft Unterstützung in Rechts‑, Steuer‑ und Personalfragen

Nachteile:

  • Streng analytische Auswahlprozesse; passende Fonds zu finden ist schwierig

  • Entscheidungsprozesse können sich verzögern

  • Nach der Investition halten Fonds oft große Beteiligungen

  • Potentieller Kontrollverlust über das Management – dennoch kann die Partnerschaft profitabel sein

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