Was ist Angel Investing?
Einfach ausgedrückt bedeutet Angel Investing, dass eine Einzelperson einem Unternehmen (in der Regel einem Startup) Startkapital zur Verfügung stellt – im Austausch für Eigenkapital oder wandelbare Schuldtitel.
Der Begriff „Angel“ stammt ursprünglich aus dem Broadway-Theater, wo wohlhabende Einzelpersonen die finanziellen Mittel bereitstellten, die notwendig waren, um eine Produktion zu ermöglichen.
Angel-Investoren (auch bekannt als Business Angels, informelle Investoren, Angel-Finanzierer, private Investoren oder Seed-Investoren) sind somit wohlhabende Privatpersonen, die einen Teil ihres Kapitals in junge Unternehmen investieren.
Im Gegensatz zu Venture-Capital-Gebern, die Kapitalpools anderer Personen verwalten und investieren, setzen Angels ihr eigenes privates Kapital ein. Sie investieren in der Regel in der Phase zwischen der anfänglichen „Family & Friends“-Runde und den formelleren Finanzierungsrunden durch Venture-Capital-Gesellschaften und andere Investmentfirmen.
Ein Angel-Investor investiert aus verschiedenen Gründen: Da er sehr früh einsteigt, kann er im Erfolgsfall des Unternehmens enorme Renditen erzielen. Darüber hinaus ermöglicht der frühe Einstieg oft eine enge Beziehung zum Unternehmer, wodurch er neben dem Startkapital auch geschäftlichen Rat und wertvolle Kontakte einbringen kann. Viele Angel-Investoren haben ihren Wohlstand durch erfolgreiche Karrieren erlangt – sei es als Unternehmer oder als Teil eines größeren Unternehmens – und sind daher in der Lage, wertvolle Expertise weiterzugeben.
Die Qualifikation als Angel basiert jedoch ausschließlich auf Vermögen. Die Definition variiert je nach Land, aber um einem Angel-Netzwerk beizutreten, genügt es in der Regel, eine Selbsterklärung abzugeben, dass man über ausreichendes Vermögen verfügt, um „freies“ Kapital in ein Startup zu investieren.
Seit Beginn der Startup-Revolution hat die Zahl der Menschen, die sich selbst als Angel-Investoren bezeichnen, stark zugenommen, da diese Form der Kapitalanlage als potenziell lukrativ und spannend gilt. Die vielbeachteten Erfolge von Unternehmen wie Uber, HelloFresh und TransferWise führten zur Prägung von Begriffen wie „Unicorn“, um ein Unternehmen mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar zu bezeichnen. Solche mythisch anmutenden Unternehmen gelten als der Heilige Gral für Angel-Investoren – obwohl auch Firmen, die deutlich unter diesem Wert bleiben, beachtliche Renditen erzielen können. Aus diesen Gründen wächst die Beliebtheit des Angel Investings rasant.
Erwähnenswert ist auch, dass der Erfolg eines Startups oft unabhängig von Unsicherheiten oder Rezessionen auf den größeren Märkten ist. Tatsächlich sind viele der größten Erfolgsgeschichten der Startup-Welt in Zeiten wirtschaftlicher Abschwünge entstanden – beispielsweise Facebook, Twitter oder Skype. Daher kann Angel Investing in nahezu jedem wirtschaftlichen Umfeld eine attraktive und tragfähige Anlageoption darstellen. Startups, die sich als besonders widerstandsfähig gegenüber externen wirtschaftlichen Einflüssen erweisen, werden oft als „Kakerlaken“ bezeichnet – in Anspielung auf das Tier, das selbst in einem nuklearen Winter überleben kann.